DLRG-Geschäftsführer zieht Jahresbilanz
[Montag, 13. September 2010]
Tagebaulöcher: Konkurrenz für Bäder und Gefahrenquelle
Halle (dpa). Die Gluthitze im Sommer hat viele Menschen in die Freibäder und an Badeseen gelockt. Erfreulicherweise sind dabei nur wenige Menschen tödlich verunglückt. "In diesem Jahr hat es vier Todesfälle gegeben", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft in Sachsen-Anhalt, Holger Friedrich, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Halle. Und weiter: "Im Juli hatten wir das Schlimmste erwartet."
Besonders viele Menschen hätten bei der Hitze Erfrischung im kühlen Nass gesucht. Umso erstaunlicher sei es, dass deutlich weniger Menschen ertrunken seien als in den Vorjahren. Im gesamten Jahr 2009 seien es 15 Betroffene gewesen.
Damit habe sich der Trend der vergangenen Jahre hin zu weniger tödlichen Badeunfällen fortgesetzt. "Sonst hatten wir immer zwischen 20 und 25 Ertrunkenen", sagte Friedrich.
Der DLRG-Geschäftsführer wies darauf hin, dass alle vier Ertrunkenen in unbewachten Badegewässern ums Leben kamen. "Die große Gefahrenquelle sind die Tagebaurestlöcher, die geflutet werden." Die Menschen gingen mehr und mehr an diese unbewachten Stellen, etwa weil sie das Geld für Freibäder sparen wollten, sagte Friedrich.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen seien zunehmend eine Ursache der tödlichen Badeunfälle. Die Gefahr gehe vom großen Temperaturunterschied zwischen Luft und Wasser aus, der teils bei 15 Grad liege. Für ältere Menschen – zwei der Ertrunkenen in dieser Saison waren über 60 Jahre alt – könne das tödlich enden.
Positiv wertete Friedrich, dass im Bundesland Sachsen-Anhalt besonders viele Kinder schwimmen können. "Das Kultusministerium fördert das Schulschwimmen". berichtete er. In westlichen Bundesländern gebe es das nicht immer.
Die Kehrseite der Medaille ist nach Angaben von Holger Friedrich, dass immer mehr Bäder schließen und der Unterricht manchmal nicht wie geplant stattfinden kann. "Das führt dazu, dass nicht alle Kinder der dritten und vierten Klasse schwimmen können", meinte der DLRG-Geschäftsführer.

